„...O Miquel! Du kannst lachen! Verstehst du auch die Kunst aus Dreck uns Gold zu machen?...“ Diese Worte schrieb der Journalist und Heimatdichter Friedrich Stoltze 1879 über die Wahl des Johannes von Miquel zum neuen Frankfurter Oberbürgermeister und späteren preußischen Finanzminister, Namensgeber von Miquelanlage, Miquelallee und somit auch unserer Kleingärtnergemeinschaft.

Keimzelle des im Juli 1932 gegründeten Vereins war eine nicht organisierte Siedlergruppe, sie legte bereits 1927 auf dem Areal zwischen Miquelstraße und Ginnheimer Stadtweg Kleingärten an. In der Generalversammlung am 9.7.1932 beschloss man, den Kleingartenbauverein “Miquel“ zu gründen, verabschiedete einstimmig eine Satzung, und ließ sich beim Amtsgericht Frankfurt im Register eintragen.

Am 21.6.1933 schloss man, rückwirkend zum 1.1.1933,  mit der Stadt Frankfurt am Main einen Pachtvertrag, der eine Fläche von 11,0583 ha umfasste. Auf dieser Fläche entstanden 248 Gärten mit einer durchschnittlichen Größe von 4 a, die bereits im Januar 1934 sämtliche unterverpachtet waren. In der Generalversammlung am 20.1.1934 beschloss man, den Verein nunmehr in Kleingärtnerverein „Miquel“ e.V. umzubenennen.

Eine neue Phase des Aufbaus begann, als Anfang der 60er Jahre Planungen für neue Straßenführungen und den Bau der Deutschen Bundesbank bekannt wurden. Nach dem Motto: „Einer ist immer der Dumme“ wurden diese Planungen dann schnell Realität. Der KGV „Miquel“ e.V. verlor in den Jahren 1965-1970 einen Großteil seines Stammgeländes. Den durch den Verlust ihrer Gärten betroffenen Vereinsmitgliedern wurde von der Stadt Frankfurt Ersatzgelände im Stadtteil Frankfurter Berg, Verlängerter Ginsterweg, zur Verfügung gestellt, aber viele Gartenfreunde der Altanlage fühlten sich zu einem Neuanfang nicht mehr imstande und gaben auf.

1965 begann eine neue Gartengemeinschaft insgesamt 78 Parzellen zu bewirtschaften. Zu diesem Zeitpunkt waren in der Rumpfanlage an der Miquelallee noch ca. 80 Gärten verblieben, die dann gleichfalls infolge der Errichtung des Fernmeldeturms („Ginnheimer Spargel“), jetzt Europaturm getauft, und des Baus weiterer Straßen aufgegeben werden mussten (1972). Weitere 52 Parzellen entstanden in denn Jahren 1972-1976, somit verfügt der Verein heute wieder über 130 Gärten auf einem 4,8 ha großen Gelände. Im Jahre 1972 wurde unser Vereinshaus mit einem integrierten Geräteschuppen fertiggestellt. Die Anlage verfügt über zwei großzügig gestaltete Eingangsbereiche und breite Hauptwege, sowie drei Kinderspielplätze die nicht nur von „unseren Kindern“ gerne angenommen werden, sondern allen Kindern des Stadtteils Frankfurter Berg zur Verfügung stehen. Ruhebänke laden Spaziergänger zum Verweilen ein. Eigene PKW-Abstellplätze helfen, lange Wege zu den Gärten zu verkürzen.  Der Vogelschutz nimmt bei uns eine exponierte Stelle ein. Dem Umweltschutz haben wir uns besonders verschrieben. Seit 1985 verzichten wir ferner auf die seinerzeit zentrale Austriebsspritzung. Schädlingsbekämpfung auf natürliche Art und Weise erachten wir erfolgversprechender und billiger. Bereits 1986 erwarb der Verein einen Schredder zum zerkleinern von Baum- und Heckenschnitt um diesen zu kompostieren und dem Boden als Humus wieder zuzuführen.

Natürlich feiern wir auch Feste in fröhlicher Runde unter Einbeziehung der Öffentlichkeit. Bei uns hat der Kleingarten nicht mehr das Gepräge der Gründerjahre mit seinem ausschließlichen Gemüse- und Obstanbau. Der Wandel der Zeit hat zahlreiche Neuerungen mit sich gebracht. Die Kombination von gärtnerischer Betätigung und Bewegung in freier Natur, verbunden mit Erholung und Entspannung ist heute Realität. Dennoch ist die Zielsetzung aus der Gründerzeit gleich geblieben: „Der Garten ist voller Leben – schützen und erhalten wir es.“